Viele Landwirte betrachten Ao-toi-Mantel als Schutz vor rauen Wetterbedingungen helfen. |
In den kleinen Häusern hinter den Bambushainen entlang der Dorfwege von Yen Lac hört man das Rascheln der getrockneten Blätter. Das sind die vertrauten Geräusche der Handwerkerinnen, die unermüdlich an den traditionellen „Ao toi“ arbeiten. Dieses Handwerk ist seit über 300 Jahren eng mit den Bewohnern verbunden, wird von Generation zu Generation weitergegeben und ist ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens dieser Region.
Die Dorfbewohner von Yen Lac nähen das ganze Jahr hindurch „Ao toi“, doch die Hochsaison liegt zwischen dem 3. und dem 6. Monat nach dem Mondkalender. Dies ist die ideale Zeit, da die Palmblätter die richtige Reife erreichen. Zu Beginn müssen die Handwerker alte Palmblätter, Rattan und Bambus sammeln – die Hauptmaterialien für die Herstellung von „Ao toi“. Die Rohstoffe werden vor allem aus Khe Giao, einem Berggebiet der Provinz, bezogen. Der 57-jährige Nguyen Van Thuan, der seit fast 40 Jahren in Xuan Loc, Ha Tinh, dieses Handwerk betreibt, erzählt:
„Der mühsamste Arbeitsschritt ist das Sammeln der Blätter. Man muss bis nach Huong Khe fahren, hier gibt es diese Blätter nicht. Jedes Mal brechen wir schon um 04:00 Uhr morgens auf. Wenn wir Glück haben, können wir am selben Tag zurückkehren, sonst erst am nächsten. Diese Blätter müssen drei Sonnentage und zwei Nächte getrocknet werden. So behalten sie eine schöne Farbe und machen den „Ao toi“ haltbarer.“
Die Herstellung erfordert viele Arbeitsschritte und verlangt Geduld, Ausdauer, Sorgfalt und Geschick. Schon bei der Auswahl der Blätter muss sehr genau darauf geachtet werden, dass sie weder zu jung noch zu alt sind. Nach der Ernte werden sie kurz über Feuer erhitzt, bis sie gleichmäßig weiß werden. Danach werden sie noch zwei Sonnentage und eine Nacht weitergetrocknet, bis sie elastischer werden.
Für das Nähen von „Ao toi“ benötigt man eine hölzerne Form von einem Quadratmeter, darauf werden die Palmblätter ausgelegt. Außerdem braucht man fünf bis sieben Holzleisten, um die Blätter in Position zu halten. Die Handwerker ordnen die Blätter dachziegelartig übereinander und vernähen sie mit Rattanfasern mithilfe einer 25 cm langen Nadel. Ein „Ao toi“ hat normalerweise fünf Nählinien. Der Kragen ist der wichtigste Teil, er wird besonders sorgfältig gearbeitet: gleichmäßig verflochtene Blätter, mehrere Lagen, fest und im rechten Winkel vernäht. Oben wird eine Rattanschnur angebracht, damit man den Mantel um den Hals tragen und am Rücken fixieren kann. Der 59-jährige Pham Van Hung aus Yen Lac beschäftigt sich auch mit diesem Handwerk.
„Der schwierigste Teil ist das Einflechten der Blätter für den Kragen. Man braucht zwei bis drei Lagen Blätter, bevor der Mantel Gestalt annimmt. Ohne den Kragen kann man keinen „Ao toi“ herstellen.“
Die Gemeinde Xuan Loc hat 188 Haushalte und zwei Drittel davon üben noch immer dieses Handwerk aus. In der Hochsaison, wenn die Nachfrage steigt, kann ein Haushalt durch die Herstellung von Regenmänteln aus getrockneten Palmblättern ein monatliches Einkommen von umgerechnet etwa 550 Euro erzielen. Dadurch hat sich das Leben der Bewohner spürbar verbessert. Um das traditionelle Handwerk zu bewahren und weiterzuentwickeln, wurde 2022 die Genossenschaft zur Herstellung von „Ao toi“ in Yen Lac mit 25 Mitgliedern gegründet. Sie soll neue Wege erschließen und den Markt erweitern. Dang Dinh Vinh, ehemaliger Vorsitzender des Volkskomitees der Gemeinde Quang Loc, berichtet:
„Der Ao toi wird in viele Regionen des Landes geliefert und sogar nach Laos exportiert. Bei Hitze haben die Leute großen Bedarf daran und bestellen über die Genossenschaft. Diese wurde gegründet, um die Dorfbewohner zu unterstützen und gleichzeitig die Produkte vorzustellen und zu vermarkten, sodass sie auf einem breiteren Markt verkauft werden können.“
Das Handwerk des Ao toi-Nähens in Yen Lac in Ha Tinh ist nicht nur eine Geschichte über ein handgefertigtes Produkt, sondern auch ein Sinnbild für die Verbundenheit zwischen Menschen und Natur, für Geduld und Geschick, die über Generationen weitergegeben wurden.
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